Singapur/Peking/New York, 10. September 2012 (ADN). Die Ideen eines Immanuel Kant, die er in seinem Werk „Über den ewigen Frieden“ ausgeführt hat und die in dem berühmten kategorischen Imperativ gipfeln, können überall auf der Welt umgesetzt werden. Eine eindrucksvolle Manifestation dessen ist der winzige Stadtstaat Singapur. Die Gründe dafür erläutert die in Zürich herausgegebene Wochenzeitung „Zeit-Fragen“ in ihrer jüngsten, zu Beginn dieser Woche erschienenen Ausgabe. Singapur nehme eine wohlwollend friedensstiftende Rolle zwischen den Großmächten China und USA ein. Vergleichbar sei dies mit dem Wirken des Kleinstaates Schweiz auf dem europäischen Kontinent.

Unter Berufung auf eine Publikation in der „International Herald Tribune“ am Vortag wird auf eine äußerst heikle Situation verwiesen, die zu einem umfangreichen Streit um fernöstliche Inseln in der Region ausuferte und schnell in einem größeren kriegsähnlichen Konflikt münden könnte.

In diesem brisanten Moment reist der Premierminister von Singapur, Lee Hsien Loong, nach China, um an der zentralen Parteischule der Kommunistischen Partei (KP) zu referieren und den politischen Koloss Asiens zu Augenmaß zu ermuntern. Er äußerte den Wunsch, China möge die Inselstreitigkeiten innerhalb des südostasiatischen Bündnisses Asean lösen und auf bilaterale Auseinandersetzungen mit einzelnen Ländern – so wie es die USA praktizieren – verzichten.

Bezüglich des Verhältnisses zu den USA weist Lee in der Kaderschmiede der KP Chinas darauf hin, dass alle acht Nobelpreisträger chinesischer Abstammung schon US-Bürger gewesen oder dies in der Folge geworden sind. Das belege die Fähigkeit der USA, sich neu zu beleben und neu zu definieren. Die Vereinigten Staaten von Amerika fälschlicherweise zu unterschätzen, wäre fatal, brachte der Premier Singapurs gegenüber den chinesischen Führungskräften zum Ausdruck.

„Zeit-Fragen“ beleuchtet Hintergründe der jüngsten Geschichte in Fernost. Traditionell biete Singapur den USA Marinestützpunkte mit Zugang zum Südchinesischen Meer. Gleichzeitig unterhalte es starke Verbindungen zu China. Dies geschehe seit dem Besuch von Deng Xiaoping im Jahr 1978. Dieser sei seinerzeit dermaßen von der Wirtschaftskraft Singapurs beeindruckt gewesen, dass er dieses Modell als beispielgebend für China proklamiert habe. Die heutige Weltmacht China sei das Ergebnis.

Die Schweizer Wochenzeitung stellt darüber hinaus fest,  dass Europa Kants Werk und seine Vorschläge nicht beherzigt. Sie bezieht sich dabei auf Schriften des Spitzendiplomaten aus Singapur, Kishore Mahbubani. Nach dessen Worten hat es Europa verlernt, sich derart um Frieden zu kümmern. Gelegenheit, Konflikte zu schlichten, gebe es zur Genüge: Syrien, Iran, Palästina und andere Brennpunkte. ++ (fr/mgn/10.09.12 – 258)

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